Worauf es für Wissensmanagement im Krankenhaus aktuell ankommt

Corona als Digitalisierungstreiber

© Thieme & Frohberg GmbH

Wissensmanagement im Krankenhaus – worauf es jetzt ankommt

Die Corona-Pandemie hat sowohl den medizinischen Vertretern als auch der Gesellschaft deutlich vor Augen geführt, welche Potenziale in der Digitalisierung liegen. Gleichzeitig wurden die existierenden Defizite mit all ihren Herausforderungen offensichtlich: Fehlendes Innovationspotenzial, heterogene Systemlandschaften, datenschutzrechtliche Hürden und die nach wie vor weit verbreitete analoge Datenhaltung erschweren die Bemühungen hin zum Smart Hospital, das flexibel auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagiert. Kliniken – und das Gesundheitswesen insgesamt – müssen künftig agiler werden. Die ohnehin dünne Personaldecke bedarf größtmöglicher Entlastung. Routineaufgaben, Dokumentationspflichten und administrative To-dos gehören daher auf den Prüfstand: Welche Abläufe lassen sich automatisieren? Oder auf Basis digitaler Prozesse schlanker und damit effizienter gestalten?

Corona als Digitalisierungstreiber

Wo entsprechende Ansätze liegen, haben die vergangenen Monate zu Tage gefördert: Künstliche Intelligenzen beantworteten – in Form des CoronaBots – Fragen besorgter Bürger und griffen so den Mitarbeitern an den Telefon-Hotlines unter die Arme. Home-Monitoring entlastete das medizinische Personal vor Ort. Krankschreibungen erfolgten per Telefon. Die Videosprechstunde gehörte nach kurzer Zeit zum medizinischen Alltag. Und freiwillige Datenspenden halfen, die Forschung voranzutreiben.

Es ist viel passiert im ersten Halbjahr 2020. Initiativen wie Cocos zur Entwicklung gemeinsamer Standards und Interoperabilität oder das Fast-Track-Verfahren für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) belegen, warum Corona als Digitalisierungstreiber gilt. Und der – teilweise – durchaus produktive Aktionismus in Sachen Digitalisierung hat Strahlkraft für die Zukunft: Projekte wie das eRezept werden voraussichtlich deutlich schneller realisiert als ursprünglich angenommen. Ein Hauptaugenmerk liegt auch auf der elektronischen Patientenakte (ePA). Dr. Markus Leyck Dieken, Geschäftsführer der gematik, bezeichnete sie kürzlich sogar als „Flugzeugträger der Gesundheitsversorgung von morgen“. Und er wünscht sich statt einer elektronischen perspektivisch sogar eine „biologische Akte“, die Patienten von Geburt an begleitet.[1]

Wissensmanagement als Wegbereiter

Für den Erfolg vieler Digitalisierungsvorhaben braucht es jedoch eines einheitlichen Fahrplans, der die grobe Richtung vorgibt und insbesondere Unsicherheiten aus dem Weg räumt. Der Bundesverband Gesundheits-IT (bvitg) fordert daher unter anderem eine ganzheitliche Analyse des aktuellen Reifegrades in den Kliniken sowie eine bewusste Harmonisierung datenschutzrechtlicher Standards und die Reduzierung bürokratischer Vorgaben.[2]

Doch auch jede einzelne Klinik kann daran arbeiten, die Weichen für eine digitale Zukunft zu stellen. Wissensmanagement spielt hierbei eine entscheidende Rolle: Es geht darum, den klinikinternen Datenbestand zu evaluieren. Welches Wissen ist bereits vorhanden? Wo lagert es? In welcher Form? Und wie lässt sich brach liegendes immaterielles Kapital am besten heben? Ein wichtiger Fokus liegt in der Digitalisierung analoger Datenschätze. Aber auch in der Etablierung eines neuen Mindsets: Wissen muss zum Allgemeingut werden, das alle Mitarbeiter zum Wohl der Klinikorganisation einsetzen und aktiv teilen. Denn nur so kann es zur Entlastung, zur Effizienzsteigerung und letztlich zur Verbesserung von Behandlungsqualität und Patientenversorgung beitragen.

nl/KWM

 

Quellen:

[1] https://www.bvitg.de/premiere-dmea-sparks/

[2] https://www.bvitg.de/fahrplan-zeitgemaesses-digitales-krankenhauswesen/

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