Wissensträger binden: Mit Gesundheitsförderung gegen den Fachkräftemangel

BGM © animaflora/ Adobe.Stock.com

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Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist längst Realität. Bis zum Pflegenotstand ist es nicht mehr weit. Der demografische Wandel verschärft die Situation zunehmend. Dessen sind sich alle Beteiligten durchaus bewusst. Doch es gibt einen weiteren Fakt, der bereits in Kürze zu einer zusätzlichen Personalabwanderung beitragen wird: Mitarbeiter im Health-Bereich, vor allem in der Pflege, beurteilen ihren eigenen Gesundheitszustand als so schlecht, dass sie daran zweifeln oder es gar für unwahrscheinlich halten, ihren Beruf weiter ausüben zu können. Das ergab eine Umfrage des BKK Dachverbands. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann helfen, diesen Trend zu stoppen. Als Teil der Wissensmanagement-Strategie tragen entsprechende Maßnahmen auch dazu bei, nicht nur die Arbeitskraft an sich in der Klinik zu halten, sondern auch deren wertvolles Erfahrungswissen.

Warum scheiden Mitarbeiter aus?

Bei der Abwanderung gibt es drei große Bewegungen, die jeweils unterschiedlich motiviert sind:

  1. Die Fluktuation im Gesundheitswesen ist generell hoch. Schichtarbeit und Überstunden sind mit dem Privatleben oft schwer zu vereinbaren. Hinzu kommen hohe psychische sowie physische Belastungen. Die Wechselwilligkeit ist entsprechend groß. Zumal der Arbeitsmarkt für medizinisches Fachpersonal nahezu leer gefegt ist. Winkt dann ein attraktives Angebot aus der Wirtschaft mit klar definierten Arbeitszeiten, einer leistungsgerechten Entlohnung und womöglich sogar der Option auf eine Home-Office-Regelung, ist der Weg zum neuen Anstellungsvertrag nicht mehr weit.
  2. In Folge des demografischen Wandels und der unmittelbar bevorstehenden Pensionierungswelle der zwischen 1955 und 1965 geborenen Babyboomer scheiden auch diejenigen Mitarbeiter aus Krankenhäusern & Co. aus, die dem Gesundheitssystem über mehr als 40 Jahre die Treue gehalten haben – weil sie schlichtweg das Rentenalter erreicht haben. Das ist im Grunde ein ganz normaler Prozess. Durch die geringen Geburtenraten Ende des 20. Jahrhunderts mangelt es allerdings an Nachwuchs. Bereits rein zahlenmäßig gibt es nicht genügend potenziell erwerbsfähige Menschen, die in die Fußstapfen der ausscheidenden Fachkräfte treten könnten. Die oft wenig attraktiven Arbeitsbedingungen verschärfen diese Situation weiter.
  3. Neben dem Personal, das mit einem Jobwechsel liebäugelt, und den Mitarbeitern, die demnächst in Rente gehen, gibt es aber auch zahlreiche Fachkräfte, die im Gesundheitswesen tätig sind und auch weiterhin in ihrem Beruf arbeiten möchten. Die ohnehin hohe körperliche und seelische Belastung, gepaart mit dem Druck von Kosteneinsparung, Prozessoptimierung und dünner Personaldecken lässt aber immer mehr Beschäftigte im Gesundheitswesen an ihrer langfristigen Arbeitsfähigkeit zweifeln. Das gilt laut BKK beispielsweise für jeden dritten Altenpfleger und jeden vierten Krankenpfleger.

Was bedeutet das für das Wissensmanagement?

Egal aus welchen Gründen Mitarbeiter ausscheiden, sie nehmen immer auch wertvolles Erfahrungswissen mit. Dieses implizite Kapital ist in hohem Maße personengebunden und nur schwer explizierbar. Nur eine gezielte Wissenssicherung kann helfen, diesen Wissensschatz zu dokumentieren. Dazu sind viele Kliniken jedoch nicht bereit. Und wenn, dann beginnen sie mit dem Know-how von Krankenhausmanagern und Chefärzten. Vermeintlich einfache Pfleger befinden sich hingegen (noch) nicht in ihrem Fokus. Und dennoch verfügen diese Mitarbeiter über unschätzbare Erfahrungswerte, die den Kliniken nicht verlorengehen dürfen, möchten sie nicht noch eine weitere Baustelle im Kampf um die Digitalisierung und gegen den Fachkräftemangel eröffnen. Also gilt es, die Mitarbeiter möglichst nachhaltig zu binden, um noch lange von ihrem Know-how zu profitieren: Bei den unzufriedenen Mitarbeitern funktioniert das über verschiedene Motivatoren – vom Geld über Lob und Karriereaussichten bis hin zu modernen Arbeitszeitmodellen. Die künftigen Rentner lassen sich als externe Berater einbinden.

Für psychisch und physisch stark belastete Fachkräfte ist Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) das Mittel der Wahl. Dabei gilt es jedoch, entsprechende Programme nicht nur aufzusetzen, sondern die Mitarbeiter auch zu motivieren, sie aktiv zu nutzen. Viele Krankenhäuser bieten ihren Angestellten bereits vielfältige Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. 40 Prozent nutzen sie jedoch nicht, auch das fand die BKK-Studie heraus. Ändert sich daran nichts, wird sich der Fachkräftemangel weiter verschärfen und langjähriges Mitarbeiterwissen geht verloren.

nl/KWM
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