Wissenstransfer: Was Ärzte und Pfleger von Einsatzkräften lernen können

Erfahrungswissen © Coloures-Pic/Adobe.Stock.com

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Der Krankenhausalltag ist niemals nur Routine. Im Gegenteil: Patientenströme sind schwer planbar, die Krankheitsbilder nicht vorhersehbar. Damit ähnelt die Situation der von Polizisten, Soldaten und Mitarbeitern des technischen Hilfswerks. Als so genannte Einsatzorganisationen müssen sie ihr wertvolles Erfahrungswissen ad-hoc und unter großem Stress jederzeit abrufen können. Vor allem die richtige Kommunikation ist dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Wissensbedarf vs. Zeitdruck

Was muss getan werden? Wer ist verantwortlich? Wo und von wem bekomme ich im Zweifel Unterstützung? Das sind Fragen, die jedem Mediziner in Notfallsituationen schon einmal durch den Kopf geschossen sind. Und es sind Fragen, die sich vor allem Nachwuchskräfte in Krankenhäuser stellen: der erste Notdienst, die erste Nachtschicht, die erste Operation. Anders als in der Verwaltung sind Mediziner in solchen Fällen häufig auf sich allein gestellt. Auch dem Pflegepersonal ergeht es ähnlich. Während in der Verwaltung ebenfalls oft Fragen offen und Handlungsanweisungen unklar sind, hilft hier oft der Griff zum Telefonhörer. Oder man wartet, bis der Kollege am nächsten Tag wieder an seinem Platz sitzt und Tipps geben kann. Im Klinikalltag von Ärzten und Pflegern fehlt dafür oftmals die Zeit.

Vom Übergabegespräch bis zur kollegialen Beratung

Polizisten, Soldaten und Katastrophenschützer setzen auf konsequenten Wissenstransfer, um wechselndes Einsatzpersonal fit für den Ernstfall zu machen. Wissenszuwächse erfolgen dabei vor allem im Alltag – Learning by Doing. Um Erfahrungen richtig einzuordnen und zu reflektieren, helfen Gespräche. Vor allem mit Kollegen und Vorgesetzten. Nachbesprechungen gehören zum Repertoire der Wissensweitergabe, häufig ergänzt um Leitfäden und Checklisten, die zur Standardisierung beitragen. Zudem hat sich bei Einsatzkräften die kollegiale Beratung bewährt, bei der ältere bzw. erfahrenere Mitarbeiter den jüngeren Kollegen unterstützend zur Seite stehen und ihr implizites Know-how teilen.

Mangelnder Wissenstransfer im Klinikalltag

All das ist auch im Klinikalltag möglich und vielerorts bereits vorgesehen. Personalmangel und Arbeitsbelastung sind vielerorts so hoch, dass der Schichtwechsel lediglich von einem kurzen Check-up begleitet wird. Ein vollständiger Austausch über den aktuellen Wissensstand, ehe die einen nach Hause und die anderen zum nächsten Patienten eilen, findet nicht immer statt.

Fehlende Wissenskultur bedroht Klinikorganisationen

Zudem kommt in Kliniken vor allem die hierarchieübergreifende Kommunikation viel zu kurz. Während die Ärzte, Pfleger und Therapeuten der Generation 50plus ihr Wissen häufig noch als Machtinstrument verstehen, sind die Jungen wissensdurstig. Sie wollen Fragen stellen, von Erfahrungen profitieren und ihr eigenes Know-how wertschöpfend einbringen. Doch oft stoßen sie dabei gegen verschlossene Türen. Das demotiviert und beeinflusst die Mitarbeiterbindung negativ. Dabei wird junges Personal im Kampf gegen Ärztemangel und Pflegenotstand doch händeringend benötigt! Und es schadet letztlich den Patienten, wenn junge Ärzte nicht von den Erfahrungen ihrer älteren Kollegen profitieren können.

Wissen als Allgemeingut

Einsatzorganisationen wie Polizei, Bundeswehr und Katastrophenschutz sind dem Gesundheitswesen beim Thema Wissenstransfer schon um einige Längen voraus. Sie leben in der Regel eine Wissenskultur, in der jeder auf das Know-how des anderen zugreift und Wissen als Allgemeingut zählt.

 

nl/KWM

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