Wissenswelten 4.0: 3D-Druck in der Medizin

3D-Drucker in der Medizin © lucadp/ Adobe.Stock.com

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Die Entdeckung der Röntgenstrahlung und des Penicillins markieren wichtige Meilensteine in der Medizin. Organtransplantationen, minimalinvasive Eingriffe sowie die Genforschung haben das Gesundheitswesen revolutioniert. Und der nächste Wegpunkt ist bereits in Sicht: der 3D-Druck. Auch er schickt sich an, in die medizinischen Geschichtsbücher einzugehen. Hitzig diskutiert, wie bei Innovationen oft üblich, gilt er schon heute als Zukunftsgarant. Vor allem deshalb, weil dreidimensionaler Druck den Zugang zu den Wissenswelten 4.0 verspricht.

Zukunftsmusik oder schon gelebte Realität?

Implantate, ganze Organe und sogar Stammzellen sollen künftig aus dem 3D-Drucker kommen. Bereits bis 2030, so die Meinung der Befürworter, sind solche Szenarien nicht nur möglich, sondern bereits alltäglich. Bei Prothesen überwiegen die positiven Einschätzungen, beim der Nachbildung von Leber, Niere & Co. geht aber ein Viertel der Ärzte davon aus, dass 3D-Druck überhaupt keine Rolle spielen wird. Das ergab eine Befragung des Digitalverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Hartmannbund. Die Meinungen über die Zukunftschancen und die tatsächlichen Einsatzmöglichkeiten gehen also noch weit auseinander. Fest steht aber, dass 3D-Druck schon heute Einzug in die Medizin gehalten hat. Nicht nur in der Forschung, sondern ganz konkret in der Lehre und zur Operationsvorbereitung.

3D-Drucker im Klinikeinsatz

3D-gedruckte Modelle sind ihrem Original zum Verwechseln ähnlich. Angehende Ärzte können daher an naturgetreuen Nachbildungen üben, ehe sie im OP erstmals selbst tätig werden. Und auch erfahrene Chirurgen profitieren. Insbesondere bei komplizierten und seltenen Eingriffen ist es mit Modellen aus dem 3D-Drucker möglich, sich noch präziser auf den Eingriff vorzubereiten und ein besseres Verständnis der bevorstehenden Herausforderung zu erhalten. Mehr noch: Werden vor einer Operation Daten eines CT-Scans von einem 3D-Drucker verarbeitet, hält der behandelnde Arzt zum Beispiel eine Knochenfraktur in seinen Händen und kann die OP bereits im Vorfeld theoretisch durchspielen. Auf diese Weise erschließen sich ihm ganz neue Einblicke und Wissenswelten.

Doch nicht nur der Arzt profitiert, auch der Patient. Denn medizinische Erklärungen sind für den Laien oft schwer verständlich – gerade in einer Ausnahmesituation, zu der eine bevorstehende OP ohne Zweifel zählt. Mit einer originalgetreuen Nachbildung kann auch der Patient selbst sehen und sogar fühlen – und damit im wahrsten Sinne des Wortes begreifen – wie und warum die Behandlung erfolgen soll.

Das Elisabeth-TweeSteden Ziekenhuis macht es vor

Im niederländischen Elisabeth-TweeSteden Ziekenhuis gehört dieses Vorgehen bereits zum Alltag. Damit konnten die Chirurgen der Unfallklinik ihren Kappa-Score deutlich verbessern. Die Ärzte erreichen mittlerweile einen Wert von 0,6 oder 0,7. Es ist also das spezifizierte Wissen, das 3D-gedruckte Modelle auch heute schon für die Medizin so wertvoll machen.

Optimale Klinikprozesse als wichtiger Erfolgsbaustein

Wohin die Reise im 3D-Druck noch geht, das ist noch ungewiss. Fest steht aber schon heute, dass dieser Technologie nicht nur viel Potenzial innewohnt, sondern Kliniken mit dem flächendeckenden Einsatz von 3D-Druckern auch ihre Prozesse neu definieren müssen. Und das ist eine Herausforderung, die nicht ohne Wissensmanagement gelingen kann. Je mehr Personen, Technologien und Daten an den einzelnen Klinikabläufen beteiligt sind, desto höher ist der Abstimmungsbedarf. Um gleichzeitig ressourcenschonend zu arbeiten und weder Geld noch Zeit zu verlieren, müssen alle Zahnräder optimal ineinandergreifen. Das gelingt am besten über einen hohen Automatisierungsgrad. Permanenter Prozessoptimierung – vom Business Process Management (BPM) bis hin zum Kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) – wird mit dem Einzug von 3D-Druckern daher künftig eine noch höhere Bedeutung zukommen als sie für die Klinikabläufe ohnehin schon hat.

nl/KWM
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