Zahl dementer Patienten steigt: Special Care Units in Kliniken werden immer wichtiger

Demenz © Zerbor/Adobe.Stock.com

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Die Behandlung von Demenzpatienten ist für Krankenhäuser eine wachsende Herausforderung. Aktuell leiden schätzungsweise 1,6 Millionen Menschen in Deutschland an Demenz. Bis 2030, so die Prognose, wird sich die Zahl der Betroffenen verdoppeln. „Um eine gute Versorgung dieser Patienten zu gewährleisten, müssen sich Krankenhausstrukturen in der Breite verändern“, erklärt Dr. Tania Zieschang, Leiterin der Arbeitsgruppe Demenz der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Die medizinische Fachgesellschaft fordert daher sogenannte „Special Care Units“ in deutschen Kliniken – bislang hat die DGG deutschlandweit erst 44 erfasst.

Special Care Units: Weniger Medikamente – weniger Fixierungen

Demente Patienten bedürfen auch während eines Klinikaufenthaltes einer intensiven und fachgerechten Pflege. Sonst besteht die Gefahr, dass sowohl ihre kognitiven Fähigkeiten leiden als auch ihr allgemeiner Gesundheitszustand sich verschlechtert. „Special Care Units“ legen ihr Augenmerk auf die Behandlung kognitiv eingeschränkter geriatrischer Patienten mit somatischer Akuterkrankung. Sie zeichnen sich durch separate Räume aus, die wohnlich eingerichtet sind, und durch geschultes Personal, welches die Bedürfnisse der Patienten auch unter Berücksichtigung geriatrischer Besonderheiten im Blick hat.

Erste Studien haben bereits bewiesen, dass Patienten in solchen spezialisierten Stationen besser aufgehoben sind – der Einsatz antipsychotischer Medikamente ist geringer, Fixierungen und Verlegungen in die Gerontopsychiatrie können vermieden werden. Bei ihrer Entlassung ist die Mobilität der Patienten besser und sie zeigen weniger Verhaltensauffälligkeiten.

Bislang fehlt ein einheitliches Konzept: Orientierung bietet ein Positionspapier der DGG

Ein deutschlandweit einheitliches Konzept für die Stationen gibt es bislang nicht. Trotz der Anpassung an die lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse weisen alle Stationen jedoch gemeinsame Merkmale auf. Diese hatte die DGG bereits 2014 in einem Positionspapier festgehalten.

Die Fachgesellschaft empfiehlt etwa die Einbettung der Stationen in bestehende geriatrische Fachabteilungen. Flankiert sollten diese Bereiche aber durch demenzsensible und delirpräventive Maßnahmen im ganzen Krankenhaus. Isolierte Insellösungen halten die Experten nicht für sinnvoll.

Angesichts der steigenden Zahl der Demenzkranken fordert die DGG, zeitnah gute Betreuungsstrukturen zu entwickeln, um eine gute Patientenversorgung auch in Zukunft gewährleisten zu können.

Quelle:
Neue Übersicht der DGG-Arbeitsgruppe Demenz: Spezialstationen für Patienten mit kognitiver Einschränkung, Pressemeldung der DGG vom 30.1.2019

cp/KWM
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