Zukunftsthema KI: Diagnose verbessern und Behandlungsqualität steigern

Künstliche Intelligenz © santiago silver/ Adobe.Stock.com

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Die digitale Revolution der Medizin geht in eine neue Runde: Institute und Kliniken beginnen, intelligente Software zu nutzen, um den Diagnoseprozess schneller und sicherer zu machen. Die Entwicklung von Systemen mit Künstlicher Intelligenz (KI) könnte beispielsweise die Früherkennung von Darmkrebs verbessern. In aktuellen Untersuchungen konnten die lernfähigen Systeme mit hoher Genauigkeit harmlose Wucherungen im Darm von gefährlichen Krebsvorstufen unterscheiden. Auch in der Radiologie bewerten Experten die Unterstützung durch intelligente Systeme als sehr gut. Am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen kommen intelligente Systeme zum Teil schon routinemäßig zum Einsatz.

Bei der Vorsorge-Darmspiegelung sucht und entfernt der Arzt alle verdächtigen Wucherungen, sogenannte Polypen. „Doch nicht aus allen Polypen muss sich Krebs entwickeln – manche können harmlos sein, müssen derzeit aber sicherheitshalber trotzdem entfernt werden“, sagt Privatdozentin Dr. med. Andrea Riphaus im Vorfeld des Kongress Viszeralmedizin 2018. Sie ist Vorsitzende der Sektion Endoskopie der DGVS und Chefärztin Innere Medizin II am St. Elisabethen-Krankenhaus Frankfurt, Katharina Kasper ViaSalus GmbH.

Im Klinikbetrieb noch Zukunftsmusik

Computergestützte, lernfähige Systeme, die derzeit noch nicht im klinischen Einsatz sind, übermitteln beispielsweise während der Darmspiegelung die Bilder aus dem Inneren des Darms in 500-facher Vergrößerung an einen Computer. Dort prüft eine Software an 300 Einzelmerkmalen, ob es sich um eine Darmkrebsvorstufe, ein sogenanntes Adenom, oder um eine harmlose Wucherung handelt. „Aktuell müssen wir die Wucherungen entfernen und dann im Labor analysieren lassen. Bei den Systemen mit künstlicher Intelligenz erfolgt die Auswertung jedoch in weniger als einer Sekunde und der Arzt wird durch einen Ton oder über einen Hinweis auf dem Bildschirm gewarnt“, erläutert Riphaus.

Klinische Studien aus Japan lassen aufhorchen

In einer ersten klinischen Studie, deren Ergebnisse kürzlich in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine vorgestellt wurden, erzielten Gastroenterologen aus Japan mit Hilfe der Künstlichen Intelligenz eine Genauigkeit von 93 Prozent. „Wenn die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigt und noch verbessert werden, könnte die Technik in einigen Jahren im Routinebetrieb eingeführt werden“, so Riphaus.

KI im Einsatz: Universitätsklinikum Essen nutzt System in der Radiologie

Einer der ersten Mediziner, die in Deutschland mit künstlicher Intelligenz arbeiten, ist der Essener Radiologe Professor Dr. med. Michael Forsting, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie des Universitätsklinikums Essen. An Forstings Institut kommen intelligente Systeme zum Teil schon routinemäßig zum Einsatz und unterstützen die Radiologen bei der Analyse des umfangreichen Bildmaterials. In der Anwendung von intelligenter Software sieht er eine große Chance, die Qualität in der medizinischen Diagnostik zu verbessern. „Prinzipiell beruht jedes Diagnoseverfahren auf einer Mustererkennung“, sagt er. Damit sei es auch für die Künstliche Intelligenz zugänglich. Letztlich wird die künstliche Intelligenz aber alle Bereiche der Medizin verändern, ist Forsting überzeugt.

In der Sonderpublikation „Chefsache Patientenversorgung“, die zur diesjährigen conhIT erschienen ist, erklärt er im ausführlichen Interview, welche Vorteile die KI in der Praxis für Ärzte und Patienten hat und wie sie an seinem Institut Anwendung findet.

Das ausführliche Interview lesen Sie hier.

Quellen:
Darmkrebsvorsorge: Künstliche Intelligenz vermag Krebsvorstufen von harmlosen Wucherungen zu unterscheiden, Pressemeldung zum Kongress Viszeralmedizin 2018, 10.9.2018
Mustergültige Diagnosen. Wie KI die Medizin verändert, Chefsache Patientenversorgung 1/2018, Thieme Gruppe

cp/KWM
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